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Geschichte des Fremdenverkehrs in ObermaiselsteinGeschichte des Fremdenverkehrs in Obermaiselstein

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  Aus alten Akten der Gemeinde Obermaiselstein ist zu ersehen, dass Gemeinden bereits schon im Jahre 1910 dem Statistischen Landesamt in München Angaben über den Fremdenverkehr machen mussten. Die von Obermaiselstein gemachten Angaben über die Jahre 1910 – 12 sind ziemlich kurz und lassen ersehen, dass es damals „2 Gasthöfe mit zusammen 6 Zimmern, davon 2 heizbar und 1 Privathaus mit einem Zimmer, nicht heizbar“ gab. Als Gasthäuser dürfte es sich um den Hirsch und die Forelle gehandelt haben, die noch heute im Ort zu finden sind. Die Übernachtungszahlen sind für 1910 und 1911 mit je 30 angegeben, 1912 gab es schon den ersten Rückgang auf 26 Übernachtungen (heute 270.000). Bei der Angabe des Herkunftslandes hieß es einmal in der Meldung an das Statistische Landesamt „4 Bayern und 7 Amerikaner“.

Wer während des 1. Weltkrieges Gäste aufnehmen wollte, benötigte dazu die Genehmigung des Bezirksamtes und in den Gästezimmern musste Anschläge angebracht werden, dass die Gäste nicht unbefugt Lebensmittel einkaufen durften.

Nach dem ersten Weltkrieg waren bald wieder kleine Anfänge von Vermietungen an Gäste oder wie man damals sagte „Fremde“ zu verzeichnen. 1920 erließ der Obermaiselsteiner Gemeinderat eine Satzung genannt „Ortspolizeiliche Vorschrift betreff Vermietung von Zimmern zum vorübergehenden Aufenthalte“. Darin wurde u.a. festgelegt, dass der Vermieter die Anmeldung der Gäste in der Gemeindekanzlei binnen 24 Stunden zu machen hätte und den täglichen Mietpreis zu nennen habe.

Im Jahr 1934 wurde der örtliche Verkehrsverein von 19 Einheimischen aus allen Ortsteilen gegründet. Als Zweck des Vereins wurde zu Protokoll gegeben: Werbung und Förderung des Tourismus, Instandsetzung von Fuß- und Waldwegen, Aufstellung von Ruhebänken und Wegweisern „soweit es die finanziellen Verhältnisse des Vereins ermöglichen“. Die sonstigen Festlegungen waren: Anmeldung der Gäste innerhalb 24 Stunden, Bettenabgabe pro Übernachtung 5 Pfennig , pro Bett 2 Fronstundenleistung und einem Jahresbeitrag von DM 2,--. Der Bettenpreis wurde mit Frühstück auf 0,80 bis 1 Reichsmark mit Vollpension auf 3,80 bis 4 RM festgelegt. Es wurde eine Schreibmaschine angeschafft, 170 Wegweiser wurden aufgestellt und eine Postkartenreklame mit 50.000 Stück gestartet. 1935 wurden die ersten Prospekte angeschafft, 1938 bereits 5000 Stück gedruckt.

Im Juli 1934 kamen erstmals Gäste der damaligen nationalsozialistischen Erholungs-Organisation „Kraft durch Freude“, genannt „KdF“ nach Obermaiselstein. Sie kamen aus allen Gegenden Deutschlands und wurden mit zweispännigen Pferdefuhrwerken vom Bahnhof Fischen abgeholt. Da es damals keine Teerstraßen gab und die Pferdewagen keine Gummireifen und keine Sitzpolster besaßen, war die Anreise „holprig, aber lustig“.

Trotz des verbilligten Quartierpreises rissen sich die Vermieter förmlich um den Erhalt solcher Gäste. Die Kdf Gäste waren fast alle zum ersten Mal im Urlaub. Für sie wurde alles organisiert: Ankunft, Abreise, Wanderungen und Ausflüge. Eine besonders unterhaltsame Sache waren die vielen Begrüßungs- und Heimatabende, die von örtlichen Musikern und Trachtenpaaren gestaltet wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg formierte sich im Jahr 1948 der Verkehrsverein neu, 1949 wurde die Kurtaxe eingeführt, nach einem kleinen 3 ½-seitigen Prospekt wurde der „Kleine Urlaubsberater“ mit 5000 Exemplaren aufgelegt und damit der erste richtige Ortsprospekt.